“Größer”, flüsterte der Engel, “noch größer.”

Mit Engeln hab ich nichts am Hut. Obwohl: Viele berührende Geschichten weben sich um sie. Es gibt Engel-Bücher, Engel-Karten und alles mögliche. Nur ich – ich hatte mit Engeln bisher eben nichts am Hut. Trotzdem tauchte letzten November die Idee auf, einen zu machen. Erst später verstand ich: Dieser Engel hatte ein paar Botschaften für mich zwischen den Federn seiner Flügel. Nicht, dass er direkt mit mir gesprochen hätte. Es war mehr so ein…. Eng(e)lisch für Anfänger.

Gut also – Es ging auf Weihnachten zu und ich folgte dieser Idee, wenn auch nach Feierabend. Hier ists eigentlich immer ruhig, aber in diesen Abendstunden ists noch ruhiger. Vor allem in mir. Ich griff zur Kamera um das Formen zu filmen, doch ich stellte sie wieder zurück. Nur sie und ich sollten im Raum sein. Nur wir zwei. In der Stille der frühen Nacht.

Botschaft Nr. 1: “Nehme deinen Raum ein.”

Wenn wir sagen, etwas fühlt sich stimmig an, meinen wir: Es ist nicht zu viel und nicht zu wenig. Nicht zu eng und nicht zu weit. Ich glaube, es gibt für alles -auch für uns- eine geträumte Form. Wer genau diese Form träumt, weiss ich nicht. Nenne die träumende Kraft “Gott”, wenn du magst. Ich nenne sie für mich “Kraft, die alles wachsen lässt”. “Größer”, flüsterte diese Kraft, “noch größer”. Und das, nachdem die Engelin schon getrocknet war. Insgesamt drei mal! Trocknen, wachsen, wieder trocknen.

In dieser Zeit fiel mir diese Zeile aus dem Talmud ein:

“Jeder Grashalm hat seinen Engel, der sich über ihn beugt
und ihm zuflüstert: Wachse, wachse
!”

Hier geht es nicht um Leistungssteigerung oder Gewinnmaximierung, wie das gerade in unserer Wirtschaft der Fall ist und die früher oder später zum Kollaps führen. Hier geht es um die Erinnerung daran, dass unsere geträumte Form mehr Raum für uns bereit hält, als wir mit unseren Menschenaugen sehen. Es ist, als ob du ein zusammengeknülltes Blatt Papier loslässt und es sich langsam wieder in sein ursprüngliches Format entfaltet. Dieses Wachsen ist das Gegenteil von Anstrengung. Dieses Wachsen ist Entfalten und Anschauen, was da ist. Es bedeutet, mich mit allem, was ich bin anzunehmen und jede Facette, die ich bereits an und in mir entdeckt habe, zu würdigen. Auch die unangenehmen und bisher lieber ausgeblendeten. Denn all das ist der Inhalt der Form. All das ist die Füllung der Praline, die ich bin ;-).

Botschaft Nr. 2: “Lass in Ruhe, was nicht will.”

Engel & Weihnachten. Passt doch. Dachte ich und hatte schon meine Weihnachtskarte im Kopf. Pah! Während die Engelin in aller Seelenruhe eingehüllt von Ofenwärme ihre Feuchtigkeit abgab, gab ich … meine Pläne ab. In Gedanken hatte ich bereits weitere Arbeitsschritte minutiös eingetaktet. Schmerzhaft meldeten die Muskeln zwischen Kopf und Schultern, dass ich mal wieder mit Ersterem durch die Wand wollte, als mich die zweite Botschaft der Engelin erreichte: “Lass in Ruhe, was nicht will”. Lass von Vorstellungen ab, die nicht mit den Vorstellungen der Natur oder anderer Menschen im Einklang sind. Das entspannt sofort. Situationen, Beziehungen, Nackenmuskeln. Alles atmet auf. Alles wird wieder weit.

(Bisher sind mir keine Fälle von Menschen bekannt, die das Ausbleiben meiner Weihnachtskarte nicht überlebt haben. Und doch gibt es immer wieder Kleinigkeiten die sich aufplustern und so tun, als gehe es bei ihnen um Leben und Tod. Besonders gerne zum Jahresende hin. Auch schon mal erlebt?)

Botschaft Nr. 3:  “Nimm an, ohne zurückzugeben.”

Ich kapitulierte also und entschied, die Postkarten-Grüße im neuen Jahr zu entsenden. Genau dann, wenn der Alltag uns wieder hatte. Dann, wenn das Besondere der Feiertage vergangen ist, alle wieder auf der Arbeit sind, erste Vorsätze sich als schwierig erwiesen haben. Genau dann soll die Engelin in die Welt fliegen.

Die Idee gefiel mir – doch es tat mir auch leid, dass zum ersten Mal seit 7 Jahren niemand eine Weihnachtskarte von mir bekommen würde. Statt dessen bekam ich welche. Eine nach der anderen ging hier ein und jedesmal gab mir das ein kleines Ziehen ins Herz. Weil ich nichts zurückgeben konnte. Weil ich lernen musste, anzunehmen ohne zurückgeben zu können.  Und das war unerwartet schwierig für mich.

Übrigens nicht zum ersten und ganz bestimmt auch nicht zum letzten Mal durfte ich dieses Annehmen ohne zurückzugeben üben. Ich glaube, es ist etwas Elementares. Weil nur das Annehmen ohne gleich was zurückzugeben ein richtig echtes Annehmen ist. Ein Geschenk gleich wieder mit einem Geschenk zu beantworten, eine Einladung sofort zu erwidern, auf ein “Like” mit einem “Like” zu reagieren, das kann schnell mal zum Tausch-Handel werden.

Wir können davon ausgehen, dass derjenige, welcher uns bedacht hat, das aus freien Stücken tat.

Engel sind klug und wollen uns helfen. Das ist mein Resümee nach meinen ersten Lektionen Engelisch für Anfänger. Ich wünsche dir ein gesundes neues Jahr und eine Engelsbotschaft wann immer du eine brauchst.

Alles Liebe,

Petra

 

frisches_gruen_eintragebuttonGar nicht so einfach…

 

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