I worship you – Wertschätzung gewaltfrei ausdrücken

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Kennst du die Blume-am-Scheibenwischer-Geschichte? Ich zitiere sie mal frei aus dem Gedächtnis, denn ich weiss nicht mehr, wo sie herkommt: Einst lebte hinter den 7 Bergen eine Frau mittleren Alters. Sie war einsam und unglücklich. Ihr Leben schien ihr trist und ohne tieferen Sinn. Eines Morgens, als sie mit dem Auto zur Arbeit fahren wollte, entdeckte sie eine Blume unterm linken Scheibenwischer. Sie sah sich um, doch es war niemand zu sehen.

Am nächsten Tag geschah das selbe und am dritten Tag ebenso und so ging es immerzu fort. Längst war ihr klar, dass es sich nicht um eine Werbeaktion handelte und dass tatsächlich sie – und nur sie – gemeint war. Die anderen Autos verblieben durchgehend blumenfrei.

Sie betrachtete die Menschen um sich mit neuer Aufmerksamkeit. Irgendjemand da draussen schätzte und mochte sie. So sehr, dass er sich jede Nacht zu ihrem Auto schlich. Wer wars? Jeder konnte es sein, oder? Sie versuchte unauffällig mit ihren Nachbarn ins Gespräch zu kommen und stellte auch in der Arbeit interessierte Fragen, um ihre Kollegen besser kennenzulernen. Beim Putzen ertappte sie sich plötzlich im Mitsingen der Radiosongs und frug sich, ob ein Chor vielleicht was für sie wäre. Abends schaute sie ein wenig länger als sonst in den Spiegel und entdeckte … Schönheit.

Wertschätzung verbindet und beleuchtet uns

Wie die Geschichte weiterging und ob sich je der oder die Blumen-an-den-Scheibenwischer-klemmer/in zu erkennen gab, spielt eigentlich keine Rolle. Die Geschichte hat uns gezeigt, was sie uns zeigen möchte: Es tut der Seele eines Menschen gut, zu wissen, für jemanden von Bedeutung zu sein. Selbst wenn gar nicht klar ist, woher und weshalb.

Der entscheidende Faktor babei ist: Es zu wissen.

Im praktischen Leben finde ich es eine gute Idee, einander direkt mitzuteilen, wenn etwas, das der andere tat, für uns bedeutend war. Wenn es uns geholfen, getröstet, inspiriert oder amüsiert hat.

Der Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung

Zugegeben, sich hier im Schwabenland nicht nur mit Lob sondern mit dem Unterschied zwischen Lob und gewaltfrei ausgedrückter Wertschätzung zu befassen, ist gewagt. Schließlich leben wir hier nach dem Motto: “Nicht geschimpft ist Lob genug.” Warum es tatsächlich besser ist, weniger zu loben – das lass uns gemeinsam erforschen.

Der einfachste Unterschied ist:


Wenn ich dich lobe, stelle ich mich – ganz genauso übrigens, wie wenn ich dich kritisiere – ein klein wenig über dich. Ich sage dir etwas über dich und/oder das, was du getan hast. Mal angenommen, du möchtest mir ein positives Feedback zu dem Gelesenen geben.

“Lob” könnte sagen:
“Das hast du gut gemacht. Schöner Artikel.”

“Wertschätzung” könnte sagen:
“Als ich die Blumen-Geschichte in deinem Blogartikel las, hab ich Lust gekriegt, auch mal wieder jemanden heimlich zu überraschen. Der Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung war mir nie so richtig klar – so wie du es beschrieben hast, verstand ich plötzlich, warum ich mich oft wie ein Schulkind fühle, wenn mein Chef mich lobt.”

Es ist ganz deutlich, dass mir die Wertschätzung wesentlich mehr Informationen darüber gibt, was mein Schreiben für dich bedeutet, nicht?

Ich verstehe dadurch, dass es mir gelungen ist, die Blumen-Geschichte so zu beschreiben, dass du dich in sie hineinversetzen konntest und sie dich inspiriert hat. Du hast mich ausserdem wissen lassen, daß mein Text dir geholfen hat, zu verstehen, warum du manchmal gemischte Gefühle beim Gelobtwerden hast.

Ich finde, das ist schon eine ganze Menge. Hättest du es mir nicht gesagt, würde ich es nicht wissen. Dass ich es weiss, erfüllt mich mit Freude und unterstützt meine Arbeit.

Lassen wir es den anderen wissen – geben wir ihm eine Wertschätzungsdusche

Kennengelernt habe ich die Wertschätzungsdusche bei Barbara Scheffler, meiner Lehrerin für Gewaltfreie Kommunikation. Wenn du jemandem eine Wertschätzungsdusche gibst, sagst du ihm genau, was er wann getan hat, das zu deinem Wohlbefinden beigetragen hat. Was also in dem Moment für dich so angenehm war wie eine warme Dusche, wie ein warmer Sommerregen.

Schau hier die Kleine Kreativität des Alltags zur Wertschätzungsdusche:

Ich glaube, es gehört ein wenig Mut dazu, das so zu machen. Es gibt da z. B. eine Künstler-Kollegin, deren Arbeiten ich sehr bewundere. Ich bin ihnen in einer kreativen Krise begegnet und sie haben mir so deutlich gezeigt, was ich einen Augenblick lang vergessen habe: Nämlich, dass Kreativität tatsächlich a-b-s-o-l-u-t gar nie nicht allegeht. Ich würde sie das liebend gerne mal wissen lassen – aber wenn ich jetzt so drüber nachdenke, ihr eine dieser Bärenkarten zu schicken, merke ich, dass ich ziemlich Herzklopfen kriege. Ob ich mich trau?

Ob du dich traust? Ob wir uns trauen?

Wertschätzende Grüße,

Petra

 

frisches_gruen_eintragebuttonGar nicht so einfach…

 

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2 Kommentare

  1. Liebe Petra,

    seit längerem habe ich heute wieder mal einen Newsletter von dir erhalten und mich sehr gefreut! Nachdem ich ihn gelesen hatte, stöberte ich noch bissle auf deiner Website und entdeckte, dass ich deine letzten Newsletter verpasst habe. Jedenfalls fand ich beim Stöbern deine Wertschätzungsdusche. Die hat mich zum Schmunzeln gebracht und neugierig gemacht. Deine Idee passt wunderbar zu meiner derzeitigen Ausbildung für bewussten Umgang mit Sprache. Wertschätzung ist eine der drei Säulen des Lingva Eterna Sprachkonzepts (neben Präsenz und Klarheit). Und da kommenden Donnerstag die nächste Ausbildungseinheit stattfinden wird, freue ich mich nun darauf, deine Karten auszudrucken und den anderen Teilnehmern eine davon auf ihren Stuhl zu legen. Dazu will ich in der Runde von meiner Entdeckung auf deiner Website – samt Anleitung – erzählen. Deine Idee wärmt mein Herz und weckt Begeisterung! Dafür danke ich dir!

    Ich sende dir liebe Grüße aus Kirchheim
    Ines

    • Wertschätzung – Präsenz – Klarheit.

      Das klingt sehr interessant, Ines. Was auf diesen Säulen steht, scheint mir eine gute Chance zu haben, wirksam zu sein. Obwohl es die sogenannte “Gewaltfreie Kommunikation” schon so lange gibt, glauben viele Menschen noch immer, es ginge darum “lieb” zu sein oder “weichgespült” miteinander zu sprechen. Schon ulkig!

      Ich freu mich riesig, dass die Werschätzungsbären in deine Ausbildungsklasse hineinflattern werden. Es geht weiter! Wertschätzung erreicht die Menschen und du bist eine von denen, die das möglich macht! Danke dir von Herzen! (Ups, ich glaube, ich stehe gerade unter einer Wertschätzungsdusche, hhmmmmmmmmmmmmmmmmmm).

      Alles Liebe für dich, Ines!

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