Vom Segen zweckungebundener Zeit

Vor ein paar Wochen, als das Lärmaufkommen der Tunnelbaustelle hier unter unserem Häuschen sich seinem Höhepunkt entgegenbohrte, entschied ich mich dafür, ein paar Tage ins Allgäu zu verreisen.

Wie sich vor Ort im Hotel herausstellte, waren die meisten anderen Gäste im Rahmen einer Präventions- oder Rehamaßnahme da. Viele machten die sogenannte “Gesundheitswoche”, welche von der Krankenkasse bezuschusst wird.

Auch ich durfte an sämtlichen Kursen und Vorträgen aus deren Programmen teilnehmen und dabei fiel mir etwas Interessantes auf:

Für viele Menschen unserer Zeit scheint es in der Hauptsache zwei Modi zu geben. Den Aktivitäts- oder Arbeitsmodus und den Schlafmodus. Wir pflügen mit den Walkingstöcken durch den Wald, behaupten uns wacker im Angesicht der Gegenstromanlage des Schwimmbades, hüpfen zu Popmusik über den Stepper  – doch sobald wir uns im Entspannungkurs oder in der Sauna in die horizontale Lage begeben, künden eindeutige Geräusche von unseren Ausflügen ins Land der Träume. Im Alltag ist statt sportiver Betätigung meist die Arbeit dominierend.

Hier fehlt ein Modus, der dazwischen liegt.

Wir brauchen einen Modus der wachen Entspanntheit.

 

Unser Gehirn braucht diese Zeiten um Eindrücke aufzunehmen, zu verarbeiten und Verknüpfungen herzustellen. So entstehen freie Bahnen durch die neue Ideen ganz von alleine aus der Tiefe emporblubbern können. Das tun sie nämlich ununterbrochen, doch wenn wir auf ein Ziel focussiert sind oder schlafen sind wir meist nicht offen genug, so dass sie nicht in unserem Bewußtsein ankommen können. (Manchmal probieren Ideen dann über unsere Träume zu uns durchzukommen). Doch auch unser System aus Körper, Geist und Seele benötigt ihn zur Regeneration und um sich stabil und gesund zu erhalten.

All das ermöglichen Wachzeiten, die an keinen besonderen Zweck gebunden sind. Wir können auch sagen: absichtslose Zeit erleben. Sich treiben lassen statt sich antreiben zu lassen.

Ein Hoch also aufs Trödeln, Schmökern, Abhängen, Bummeln, Herumklimpern und Streunen. Kurz: Ein Hoch auf den Müßiggang!

 

Hier 4 Beispiele, wie ich sie gerne und regelmäßig praktiziere:

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Durch die Stadt bummeln ohne etwas zu brauchen und ohne zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo sein zu müssen. (Der Faktor “Open End” spielt oft eine Rolle dabei, ob wir uns wirklich auf den gefühlten “Leerlauf” einlassen können. Es dauert nämlich manchmal seine Zeit, bis wir aus der Ergebnisorientiertheit in den leichteren Spielmodus finden.)

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Ein gutes Buch lesen. “Gut” steht in diesem Fall für alles, was schlicht der Unterhaltung dient – also kein Fachbuch, kein Wissensgewinn- oder Erleuchtungsanliegen, kein “Das kann ich noch für meine Arbeit brauchen”-Buch. Eine kleine Entführung in eine andere Welt – nur zu deinem Vergnügen.

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Wir gehen einmal pro Monat sonntags mit Freunden wandern – bis auf den Monat August. Im heißesten Monat des Jahres treffen wir uns im Schrebergarten und grillen zusammen. Es gibt kein Programm, keine Reden, keiner hat ein Sportgerät dabei, nichts. Inzwischen ist der sogenannte “Faultiersonntag” legendär und es kommen von Jahr zu Jahr neue Faultiere dazu. Einfach, weil es so entspannt ist.

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Und natürlich eine “Kleine Kreativität des Alltags”. Lockeres Malen, Stricken oder Mandala legen, auf der Gitarre klimpern. Gerne auch mal puzzeln. Kleine Teile der Einrichtung umarrangieren. So etwas.

Aber Achtung: Vielen von uns wird dabei eine innere Stimme begegnen, die uns sagt, dass das nicht erlaubt ist. Dass zweckungebundene Zeit ohne Ergebnis überflüssig ist. Ich kenne diese Stimme sehr gut, denn auch ich trage diese Stimme in mir. Sie ist eine Konditionierung auf der viele Krankheiten basieren.

Sich selbst ein “Du darfst” zu geben fällt wesentlich leichter, wenn diese Punkte klar sind:

Zweckungebundene Zeit zu verbringen ist

a) eine der besten Burn-Out-Präventionen, die es gibt
und
b) eine der besten Kreativitätstechniken, die es gibt

“Na, dann hat sie ja aber doch einen Zweck,” sagst du? Stimmt! Lass deinen Verstand das ruhig glauben und er wird dich das tun lassen, worauf du jetzt und hier Lust hast 😉

Und dabei wünsche ich dir ganz
viel Vergnügen,

Petra

In meinen Blogartikeln schreibe ich über meine persönlichen, selbstgemachten Erfahrungen. Nimm dir, was dich bewegt – den Rest vergiss getrost. Weder muss ich meine Erfahrungen an deine anpassen, noch du deine an meine. Alles ist in stetiger Veränderung und nichts ist hier in Stein gemeißelt. Ich bin frei und du auch.

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Nicht nur Gemüse….

ist am nahrhaftesten, wenns frisch ist.

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durch meine monatliche E-Mail für alle,
die Lust drauf haben.

 

4 Kommentare

  1. Liebe Petra,
    selten kommt es vor, dass ich mich so gerne auf einer WebSite aufgehalten habe!
    Du hast einen tollen Ort geschaffen – ziemlich weit weg von Berlin und doch ist er ganz nah.
    Viele Grüße nach Pforzheim
    Christa Beer

    • Liebe Christa,
      wie mich das freut! Du bist hier sehr willkommen!
      Genau so wie Du es schreibst, ist dieser Ort gedacht: Dass wir uns aus allen Himmelsrichtungen hier einfinden und immer wieder neue Kräfte schöpfen können. Das ist wunderbar. Komm wieder, wann immer Du möchtest.
      Alles Liebe für Dich und viele Grüße nach Berlin,
      Petra

  2. Elke Ulrike Weigel

    Liebe Petra!
    Ich geniesse es, hier “durchzublättern” und ich geniesse immer wieder diese Deine Art, zu schreiben. Wie leicht und klar Du es ausdrückst und für mich wird auch ein liebevolles Augenzwinkern darin spürbar !
    Viele liebe Grüsse!

    • Ohne Augenzwinkern gehts doch eigentlich gar nicht, oder? Freu mich, dass es dir hier gefällt. Danke für dein Schreiben!

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