Zwei Seelen wohnen – ach – im Advent

In der Vorweihnachtszeit beobachte ich regelmäßig eine Art Persönlichkeitsspaltung an mir. Und weil es nicht nur mir so geht … weiss nicht einmal mehr der Handel, was er uns anbieten soll: Stille-Retreat oder Weihnachtszirkus. Bio-Baumwolle oder Paillettenkleid? Vegan oder Festtagsbraten?

Ich für meinen Teil kann nur sagen: Am besten bitte alles! Ich glaube, dass die sogenannte “stille” Zeit eine der lautesten ist, weil wir uns im Konflikt befinden.

Natur versus Kultur – wer gewinnt?

Unserer Natur gemäß ist jetzt die Zeit, in der sich Kräfte von außen ins Innere zurückziehen. Manche merkens: Da ist eine Sehnsucht nach Stille. Und ein tiefes Bedürfnis, einmal alles in Ruhe zu lassen. Sogar und besonders sich selber. Anspannung zu lösen wie ein Baum sich von seinen Blättern löst. Und gleich eines solchen Blattes auf den Boden seiner selbst zu sinken, sich in die weiche Kuhle seiner Seele rollen und die Dunkelheit wie eine warme Decke über sich breiten. Einatmen. Ausatmen.

Und zugleich zieht da noch was anderes durchs Herz. Eine Sehnsucht nach Glitzer, Geschenken, Gemeinschaft. Nach Feierlichkeit. Nach Erhebendem. Bunt und fröhlich darfs gern sein. Eine Weihnachtskartenparade auf dem Kaminsims. Kinder, die um den Christbaum tanzen. Erwachsene, die sich umarmen – an einer langen Tafel sitzen und bis in die tiefe Nacht hinein miteinander lachen und Köstlichkeiten kosten. Selten real – aber in der Vorstellung um so schöner.

Auflösen – weich werden – spielen

Unsere Gesellschaftsform – so wie sie jetzt gerade existiert – tut so ziemlich alles dafür, dass wir nicht auf unser Naturell lauschen können. Das Marketing steuert über unsere Emotionen  unseren den Konsum. Tausend Lichter verlängern den so kurz gewordenen Tag. Veranstaltungen und Termine verdichten sich, bilden ein Netz, durch das niemand versehentlich durchrutschen und in die Dunkelheit plumpsen kann.

Ich bemerke in dieser Zeit, dass sich mein Rhythmus verändert. Ich werde langsamer, kann mir nicht mehr so viel im Kopf behalten. Vergesse und vertüddele schonmal was. Es fällt mir nichts Neues ein und das ist ganz natürlich. Das ist nicht die Zeit für neue Ideen. Ich berücksichtige das und versuche, sehr sanft mit mir zu sein. Die Kräfte verschwinden nicht, sie sammeln sich an einem verborgenen Ort. Es geht nichts verloren. Ja, dieses Jahr wird nicht wieder kommen. Es war einzigartig. Doch das vergehende Jahr gebiert ein neues. Das war bisher noch immer so.

Für mich ist es in diesem Jahr ein “Sowohl als auch”. Ich entscheide mich von Moment zu Moment und spiele mit meinen Möglichkeiten. Der wichtigste Satz ist “Warte mal kurz”. Ich verschaffe mir die Zeit, um mein Ohr an mein Herz zu legen und zu prüfen. Möchte ich das wirklich? Und was ich nicht wirklich möchte, davon löse ich mich. Wie ein Baum von einem Blatt.

Erstens: Loslassen, was nicht passt

Schon sehr lange schenke ich z. B. keine Geschenke mehr.  Auf die Frage: “Was wünschst du dir zu Weihnachten?” antwortete ich stets: “Ich wünsche mir, dass du in der Zeit, in der du in der Stadt umherrennen müßtest um mir etwas zu besorgen, deine hübschen Füßchen hochlegst und dir einen Tee deiner Wahl einverleibst”. Inzwischen werde ich nicht mehr gefragt und die anfängliche Unbalanciertheit, die meine Entscheidung mit sich brachte, hat sich austariert.

Kleiner Hinweis: Wenn du etwas veränderst, wird es sich komisch anfühlen. Rechne damit. Rechne auch damit, dass Menschen irritiert sind, wenn du etwas loslässt an dem du bisher festgehalten hast.

Zweitens: Wählen, was stimmig ist

Anderes bewahre ich. Das Singen mit Freunden, Reisig, Kerzen. Achtsamkeit und Kreativität zu leben in allen seinen Angelegenheiten, das bedeutet für mich, sich das Spielen zu erlauben. In diesem Jahr sag ich “Ja”, im nächsten vielleicht “Nein”. Und umgekehrt. Wir dürfen uns immer als Gestalter erfahren. Auch im Advent. Ich wähle mir Veranstaltungen aus, wo ich merke “Da hab ich Lust, da zieht mich was hin” und andere wiederum lass ich sausen. Weils mir zu laut tönt oder weil ich mit mir allein sein möchte.

Einladung

Jedes Jahr im Dezember gibt es eine Ausstellung, die sich “Art to go” nennt. Die Werke aller Künstler dürfen nicht über 200,- Euro kosten und wer sich in was verliebt, nimmt es sofort mit. Nimm dir die Zeit, dein Ohr an dein Herz zu legen und zu prüfen, ob du meiner Einladung folgen möchtest. Geh nur hin, wenn es sich für dich rund anfühlt und du neugierig bist. Geh nicht hin, wenn du dich in irgendeiner Form verpflichtet fühlst oder weil du noch dringend ein Geschenk brauchst. Ich wünsche dir und mir, als eine der Künstlerinnen, dass du Vergnügen hast an dem, was dort sichtbar geworden ist.

16. & 17.12.2017 / 14-18 Uhr / Galerie Brötzinger Art / Brunnenstraße 14 / 75172 Pforzheim

Alles Liebe und viel Klarheit
für deine Adventszeit wünscht dir,

Petra

In meinen Blogartikeln schreibe ich über meine persönlichen, selbstgemachten Erfahrungen. Nimm dir, was dich bewegt – den Rest vergiss getrost. Weder muss ich meine Erfahrungen an deine anpassen, noch du deine an meine. Alles ist in stetiger Veränderung und nichts ist hier in Stein gemeißelt. Ich bin frei und du auch.

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