EIN FRISCHER BLICK AUF DEPRESSION |

Alle Menschen im Kern meiner Familie waren mindestens einmal, manche mehrfach mit Depression in klinischer Behandlung.

Nachdem meine Mutter das erste Mal in der Klinik war und gelernt hat, was sie hat, sagte sie: Du musst aufpassen, es ist erblich.

Seither passte ich auf.

Depression war der Feind. Wenn sich der einmal festsetzt, gibt es keinen Exit mehr - ausser den einen. Ich wusste über die Krankheit Bescheid.

Tiefflieger-Stimmungen waren deshalb immer ein Problem für mich. Ich war sofort alarmiert und in Gegenmaßnahmen. Und wie sahen diese Gegenmaßnahmen aus? Panisches, im Kreis rumgehendes Denken in der Hauptsache.

Aber eines Tages hörte ich etwas Neues. Eines Tages hörte ich: Depression ist ein Zeichen der eingebauten psychischen Gesundheit und "kühlt" ein durch übermäßiges Denken überhitztes System. Wie der Hitzeschalter am Fön.

What!?!?

Es war eine dieser Sachen, die von einer Minute auf die andere vollkommen anders aussehen und sich dadurch völlig anders anfühlen.

Ich konnte sehen, daß Verlangsamung, Unfähigkeit mich zu konzentrieren, nichts Neues aufnehmen können, Schwere, Müdigkeit, Dumpfheit, Leere, Sinnlosigkeit ... freundliche Hinweise darauf sind, dass ich über einen längeren Zeitraum durch Analysieren der Vergangenheit oder ängstliches in die Zukunft schauen einen oder zwei Gedanken zu viel pro Sekunde hatte.

Es ist die freundliche Einladung der mir innewohnenden Gesundheit, zurück nach Hause zu kommen und zu entspannen.

In die tiefere Realität meiner selbst. Stille. Neutralität. Das natürliche Wissen, vollkommen ok zu sein - trotz, mit und in allen Umständen. Diese Realität ist nur einen Gedanken entfernt. Nicht einen positiveren. Sondern einen weniger.

Die Erste-Hilfe-Maßnahme schlechthin ist für mich daher: Ab diesem Moment keine weiteren Gedanken dazuzufügen.

Das tun, was aus der Tiefe ohne Nachdenken aufsteigt. Ruhen (hauptsächlich im Kopf), fühlen, was gut tut. Alles, nur keine weiteren Gedanken in die Zentrifuge werfen. Finger weg.

Was wirklich tief in Ruhe gelassen wird, gibt Ruhe. Das ist meine Erfahrung.

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